Marianne Vogel Kopp

Theologin, Autorin, EnneagrammLehrerin
🌱
Auch ich wäre gern dabei, Ralph. Ich habe mich vertieft mit den beiden Büchern über das integrale Christentum von Marion Küstenmacher befasst. Ist das eine hinreichende Einführung?
Ich schaue es so an: Das Enneagramm ist ein ziemlich umfassendes Modell für all jene, die ihre Persönlichkeit besser kennenlernen wollen. Dieses wachsende Selbst-Verständnis wirkt sich dann auch hilfreich auf alle kommunikativen Gebiete aus, in die wir als Individuen eingewoben sind: Partnerschaft und Beziehungen überhaupt, private und berufliche.
Das Enneagramm ist eine Art Wegweiser, oder noch besser: eine Landkarte meines individuellen Menschseins und des allgemein Menschlichen. Die Landkarte ist natürlich nicht das Leben, aber sie hilft, dieses besser zu erkunden, verstehen, erweitern in all seinen Dimensionen. Schön herausfordernd - aber für alle Anwender eine Lebensbereicherung, die sie nie mehr missen möchten.
Musterfindung: Bei den einen macht es innert Kürze bring, andere gehen einen langen Irrweg und verweilen bei Ennea-Mustern, die nicht ihrer echten Struktur entsprechen. Den Weg gibt es nicht. Es braucht einige Selbsterkenntnis und auch Mut, sich mit dem echten Muster zu konfrontieren.
Letztlich sind wir hier in die Eigenverantwortung gestellt. Sicher können ein Grundkurs, ein Typisierungs-Interview oder eine Einzelberatung hier Klärendes beisteuern, aber ich finde es klug und ehrlich, hier erstmal von Hypothesen zu reden. Manchmal braucht jemand länger, um sich einzufühlen, weil es ja, gerade auch der Subtypen wegen, grosse Ähnlichkeiten zwischen den oberflächlichen Musterkriterien gibt. Manchmal hat jemand auch noch einen Umweg - oder zwei - nötig, bis er sich ans Schlucken der „bitteren Kröte“ wagt, als die sich das echte Muster anfänglich zeigt.
Bei Menschen mit einiger Lebenserfahrung und Reife kann das Enneamuster-Typische auch schon ziemlich in den Hintergrund getreten sein. Hier gilt es, auf das dritte Lebensjahrzehnt zurückzuschauen und die Züge, die dort markant hervorstachen. Nicht alle haben hier aber zu mehr oder weniger objektiven Erinnerung einen guten Zugang.
Ich finde es hilfreich, wenn Menschen sich in der Muster-Suchphase mit Nahestehenden austauschen. Die blinden Flecken sind ja in Bezug auf eigene Charaktereigenschaften weit grösser, Fremdeinschätzung geht einfacher. Und von Menschen, die vertraut sind und wohlwollend, lässt man/frau sich ohne allzu viel Widerstand den Spiegel vorhalten.

Ist dir das zu zaghaft und zu vorsichtig, oder findest du meine Zurückhaltung plausibel?