Samuel Jakob

Sucher, Handwerker, Akademiker, Leser&Schreiber, Berater, Seminarleiter, Partner, Vater, Grossvater & Freund
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1952 geboren, bin ich schon durch etliche Welten gewandert (mehr innere denn äussere) ... spannende Reise, die hoffentlich noch weitergeht ... inzw. zwischen vielen Stühlen & Bänken, weiterhin neugierig auf die Vielschichtigkeit der conditio humana
Ich schliesse mich zunächst dem an, was Marianne Vogel oben schreibt. Von Tests rate ich eher ab. Bringen ausser der Nummer, die meist nicht stimmt (wegen der Vielfalt der Subtypen-Manifestationen) Null Selbsterkenntnis. Das Lesen von Bücher verschiedener Autor/innen ist schon mal gut: sich mit allen 9 Typen befassen. Der Königsweg sind Gruppen, wo man die 9 Typen live erleben und beobachten kann (sofern sie sich richtig identifiziert haben). Eine sorgfältige Typfindung, sich Zeit lassen, die eigenen Hypothesen korrigieren lassen, ist wichtig. Ja, Zurückhaltung ist am Platz (zu deiner Frage Marianne), und viiieeel Erfahrung. Das Enneagramm ist kein Instant-Modell, obschon es den Anschein macht, weil man sofort einige Menschen erkennt. Gute psychologische Vorkenntnisse sind ein Vorteil, und dass man gute Literatur liest (Palmer, Riso, Naranjo, Almaas), es gibt inzwischen viel Junk und bloss Abgeschriebenes.
Finde das Thema zentral. Es geht um mehr, als die Muster des eigenen Typs kennenzulernen - sondern alsdann, sich von ihnen zu des-identifizieren (nicht ganz so einfach, der Pelz der eigenen Gewohnheiten wird dabei ziemlich nass). Das Enneagramm kann grundsätzlich in 2 Weisen benutzt werden: Als Instrument der Transformation, um aus der Maschine (den Automatismen des Typs) auszusteigen (so kam es durch Gurdjieff und Ichazo ursprünglich an die Öffentlichkeit), oder: um sich und andere, und die Interaktion zwischen Menschen besser zu verstehen - in den verschiedensten Feldern menschlicher Interaktion. Diese Verwendung auf der horizontalen Ebene ist sehr wertvoll, und ich kenne kein Modell, welches derart genau unsere Muster beschreibt. Aber in der Verwendung auf der vertikalen Dimension geht es darum, von der Ego-Überlebensstrategie, die uns vom Leben partiell abgeschnitten hat, freier zu werden - vom Typ freier zu werden statt sich in ihm einzurichten und diesen zu optimieren. Zu unserem göttlichen Kern (und Gott), der vom Typ überwuchert wurde, zurückzufinden, der lebenslange Prozess einer immer radikaleren Hinkehr und Umkehr: zu sich, den Menschen und der gesamten Schöpfung. Braucht Mut, und Lehrer/Lehrerinnen, die diesen Weg kennen.
Die Arbeit mit dem Enneagramm in dieser vertikalen Ebene ist den meisten fremd: unsere gesamte Ego-Struktur wehrt sich dagegen, wertet sie ab, findet sie unmöglich, kennt das Gelände jenseits unserer Muster nicht ... bzw. schläft lieber weiter (Gurdjieff), jetzt mit einer Zahl auf dem Rücken. Sorry, bin grad etwas radikal (kenne auch meine Abwehren gegen das, was ich hier vertrete); auf der Website gibt's dazu einen neuen Text von mir (Ich, das Enneagramm und die Gesellschaft), wo ich die Notwendigkeit - und Möglichkeit - dieser Transformationsarbeit genauer beschreibe.)